Hirnverletzungen
I.
Neuropsychologie bei frührehabilitativen
Aufgabengebiete der Neuropsychologen sind Diagnostik und
Therapie der durch Hirnverletzungen erworbenen kognitiven Defizite der emotionalen Veränderungen sowie der Veränderungen
des Verhaltens. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Unterstützung der
psychischen Verarbeitung der
Folgen bei Hirnverletzungen bei Patient und Angehörigen.
Ohne die Grundlage einer qualifizierten Diagnostik und
Therapie von Störungen des peripheren und zentralen
Sehens kann kognitive
Therapie nicht durchgeführt werden. Im
Es ist wichtig, die verschiedenen Aspekte der Aufmerksamkeit
(z. B. Alertness, Selektivität, Vigilanz) differenziert zu erfassen, um sie
spezifisch zu trainieren. Basales Training findet überwiegend am PC statt, in
Gruppensitzungen üben jedoch auch Patienten mit
Papier/Bleistift-Aufgaben oder anhand von Gesellschaftsspielen, ihre
Aufmerksamkeit zu verbessern.
Bei Schädigung des Frontalhirns kommt es zu Störungen des
Planens und Problemlösens sowie der intellektuellen Leistungsfähigkeit. Geübt
wird neben verschiedenen intellektuellen Funktionen das Entwerfen von
Handlungsalternativen, die Auswahl aus Alternativen, das Entwickeln von
Handlungsplänen sowie Kontrolle und Überprüfung von Teilergebnissen.
Emotionale Störungen
und Verhaltensstörungen, bedingt durch die Hirnverletzungen, die die soziale Wiedereingliederung von Patienten
trotz guter kognitiver Wiederherstellung oft verhindern, rücken schon früh ins
Zentrum der therapeutischen Aufmerksamkeit. Hier stehen bei uns verschiedene, für
Patienten mit
Familien von Patienten mit Hirnverletzungen haben einen
schweren Schicksalsschlag zu verkraften, der alle Ressourcen der Familie
fordert. Es werden Gespräche in
Krisensituationen, sowie beratende Gespräche bezüglich weiterführender
psychotherapeutischer Hilfsmöglichkeiten angeboten. Die Angehörigengruppe
schafft besondere Möglichkeiten der Verarbeitung der neuen Lebenssituation. II.
Logopädie bei frührehabilitativen
Hirnverletzungen
In der Logopädie werden Störungen der Sprache, des
Sprechens, des Schluckens und Stimmstörungen behandelt.
Schluckstörungen
sind in der Frührehabilitation nach schweren Hirnverletzungen sehr häufig.
Viele Patienten müssen wegen schwerster Schluckstörungen über längere Zeit
mit einer Magensonde (PEG) versorgt werden. Die Therapiemöglichkeiten liegen in
der Beeinflussung der gesamten Sensomotorik des Gesichts, Mund- und Rachenraums,
sowie im Halsbereich. Durch das Konzept der faziooralen (Behandlung im Gesichts-
und Mundhöhlenbereich)
Therapie (Kay Coombes) - das auf das Bobath-Konzept aufbaut - können gestörte
Sensibilität und Motorik im Sinne normaler Funktionsabläufe gebessert werden.
Störungen der Sprache bedeuten eine Beeinträchtigung, Gedanken, Gefühle und Wünsche
in Worte auszudrücken; oft ist auch das Verstehen der Sprache beeinträchtigt.
Nach umfassender Diagnostik lassen sich die Störungsebenen der Sprache genau
beschreiben und störungsspezifische Therapieansätze (z. B. Wortfindungsübungen
oder Gestentraining als Ersatzkommunikationsmittel) entwickeln.
Neben einer Störung der Sprechmotorik sind bei frührehabilitativen
Hirnverletzten oft auch Stimme, Atmung und Sprachmelodie betroffen.
Therapiekonzepte in diesem Bereich sind die fazioorale Therapie (FOT) und
gezielte Artikulationsübungen, bei Stimmstörungen auch Stimmtherapie, Atemübungen
und z. B. Elektrisierungsbehandlungen.
Trotz intakter Mund- und Gesichtsmuskulatur kann eine Störung
des Bewegungsablaufes bestehen (buccofaciale Apraxie), z. B. öffnet der Patient
auf Aufforderung nicht seinen Mund willkürlich, sondern spitzt die Lippen. Der
Sprechvorgang kann durch eine Sprechapraxie
(Unfähigkeit zur Ausführung von Bewegungen trotz erhaltener Wahrnehmungs- u. Bewegungsfähigkeit) beeinträchtigt sein. Hier werden sprechmotorische Übungen
durchgeführt.
Eine Lähmung der Gesichtsnerven führt zu Beeinträchtigungen
bei der Nahrungsaufnahme, auch die Artikulation kann gestört sein. Patienten fühlen
sich oft entstellt, und in ihren mimischen Ausdrucksmöglichkeiten beeinträchtigt.
Nach anfänglich überwiegend passiven Therapieverfahren werden die Patienten
zunehmend zum Selbsttraining angeregt. III.
Physiotherapie bei
frührehabilitativer Hirnverletzungen
Die Ausführung alltäglicher Aktivitäten im Sinne von frührehabilitativen
Bewegungen bedarf einer spezifischen physiotherapeutischen Behandlung, um den
Patienten die Basis für selektive Bewegung und Haltung wiederzugeben. Erst wenn
grundlegende Komponenten der normalen Bewegung wie normaler Muskeltonus,
reziproke Innervation
(wechselseitiger; aufeinander bezüglicher
Funktionszustand), Koordination und Gleichgewicht in ihrer normalen Qualität
wiederhergestellt sind, können komplexe Bewegungsabläufe in den Alltag
integriert werden.
Die Abteilung Physiotherapie arbeitet auf
neurophysiologischer Grundlage nach dem Bobath-Konzept. Der interdisziplinäre
Charakter des Bobath-Konzeptes - "24-Stunden-Konzept" - eröffnet auf
der Basis normaler Bewegung die nahtlose Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen.
Weitere
Schwerpunkte der physiotherapeutischen Arbeit bei Hirnverletzungen sind:
Ø
die
Facio-orale Therapie nach Kay Coombes,
Ø
Behandlungen
im Wasser nach der Halliwick Methode (MacMillan) und
Ø
die
Hippotherapie,
da diese Therapien auf den gleichen Prinzipien basieren.
Das Therapieangebot wird von der physiotherapeutischen
Abteilung durch die Behandlung mit re-dressierenden-,
temporären
(zeitlich
begrenzten) - und semistabilen
(teilweisen) Gipsen unterstützt und erweitert.
Neben diesen Therapieformen werden von der Physiotherapie
folgende Behandlungen angeboten.
Ø
Vojta
Ø
PNF
(proprioceptive neuromuskuläre Facilitationen)
Ø
FBL
(funktionelle Bewegungslehre)
Ø
Rückenschule
nach Brügger
Ø
manuelle
Therapie
Ø
Schlingentisch
Ø
Cyriax
Ø
Maitland Die physiotherapeutische Abteilung ist für einen großen Teil der Hilfsmittel zuständig, die hier erprobt und ausgesucht werden. Zur Verbesserung der häuslichen Reintegration werden auch aus der Abteilung Physiotherapie heraus Angehörige beraten und in die angemessene Unterstützung des Patienten eingewiesen.
IV.
Ergotherapie bei
frührehabilitativen Hirnverletzungen Die ergotherapeutische Behandlung hat das Ziel, die körperliche, geistige, soziale und berufliche Selbständigkeit zu erreichen. Dazu dienen Übungen, die sich auf die alltäglichen Bedürfnisse des Betroffenen konzentrieren. Fähigkeiten, die nicht wieder erlangt werden können, müssen kompensiert werden. Diesbezüglich werden Wege und Hilfsmittel aufgezeigt.
Die motorisch-funktionelle Behandlung zielt zunächst auf die
Anbahnung von Bewegungen und Bewegungsabläufen. Im weiteren Verlauf werden die
grob- und feinmotorischen Fähigkeiten, bis hin zum Schreiben geübt.
Schwerpunkte liegen im Bereich der Tonusregulierung, Gelenkmobilisation, Kontrakturprophylaxe und der Koordinationsschulung. Eingesetzt werden dazu
verschiedene funktionelle Spiele, handwerkliche Techniken und andere
therapeutische Mittel.
Störungen der Oberflächen- und Tiefensensibilität werden
durch gezielten Einsatz von taktilkinästhetischen
(den
Tastsinn betreffenden) Therapiemitteln gebessert, auch Bewegung der betroffenen
Extremität fordert die Sensibilität.
Das Haushalts- und Selbsthilfetraining umfasst alle Bereiche
der Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL). Ziel ist die möglichst umfassende
Selbständigkeit der Patienten. Dazu gehören das Haushalts-, Anzieh- und Frühstückstraining.
Hierbei wird auch der Einsatz von Hilfsmitteln erprobt und im Bedarfsfall eine
Hilfsmittelversorgung vorgenommen. Handwerkliche Therapie und Belastungstraining wird zur Fortsetzung der funktionellen Therapie und Wahrnehmungsschulung eingesetzt bzw. zur Förderung der Ausdauer und Konzentration. Im Hinblick auf die berufliche Rehabilitation kann die physische und psychische Belastbarkeit des Patienten erprobt bzw. verbessert werden. V.
Physikalische Therapie bei
frührehabilitativen Hirnverletzungen
In der auf aktuellem Stand ausgestatteten Abteilung bieten
sich folgende Therapiemöglichkeiten:
Ø manuelle
Lymphdrainage mit komplexer physikalischer Entstauung
Ø
sämtliche
Formen der Massage, z. B. klassische Massage, Colonmassage, Bindegewebsmassage,
Marnitztherapie, Fußreflexzonentherapie u. s. w.
Ø
ein
balneotherapeutischer Bereich mit med. Bädern, Stangerbädern,
Unterwassermassage, Kneipp´sche Güsse, Arm- und Fußbäder
Ø Elektrotherapie
Ø Ultraschall
Ø Moorpackungen
Desweiteren stehen zur aktiven Bewegung ein Schwimmbad mit
Therapiebecken zur Verfügung.
Da in der neurologischen Rehabilitation von frührehabilitativen
Patienten mit Schlaganfällen oder Schädel hirnverletzungen bedingt durch Mono-
(teilweise bzw. vollständige Lähmung nur eines Gliedmaßes), Hemi-
(unvollständige Lähmung einer Körperhälfte) oder Tetraparesen
(Lähmung aller 4 Extremitäten) zum Teil oedematös veränderte Extremitäten haben, ist die manuelle
Lymphdrainage mit komplexer physikalischer Entstauung ein wichtiger Bestandteil
des Gesamttherapiekonzeptes. Bei täglicher Behandlung mit anschließender
Kompressionsbandage wird nach sicht- und tastbarem Oedemrückgang ein
Kompressionsstrumpf angepasst. Um den Regenerationsprozess von Dekubitalgeschwüren zu beschleunigen, arbeiten wir mit der Interferenzregulationstherapie. Durch den mittelfrequenten Wechselstrom soll unmittelbar an der betroffenen Stelle der Zellstoffwechsel sowie die Trophik angeregt werden. VI. Neurogene Dysphagie bei frührehabilitativen Hirnverletzungen
Indikationen:
Schluckstörungen kommen bei neurologischen Krankheitsbildern
häufig vor; so wird die Prävalenz neurogener
Dysphagien bei schädel-hirn-traumatisierten Patienten mit etwa
25 %, bei Schlaganfall-Patienten mit 40 - 70 % angegeben. Bei anderen
neurologischen Erkrankungen wie der
Diagnostik:
Zunächst erfolgt eine ausführliche klinische logopädische
und ärztliche Befunderhebung; darüber hinaus stehen folgende diagnostische
Verfahren zur Verfügung:
Ø Flexible Rhinolaryngoskopie:
Mittels einer flexiblen Fiberglasoptik wird der Schluckakt dargestellt und auf
Computermedien (CD) gespeichert.
Ø Videofluoroskopie:
Radiologische Untersuchung
des Schluckaktes, die auch Auskunft über die Mobilität von Zunge, Pharynx
(Rachen), und Ösophagus
(Speiseröhre) und über eventuelle
Sphinkter
(Schließmuskel)-Funktionsstörungen geben
kann.
In einem multidisziplinärem Team (Arzt, Logopädie,
Physiotherapie, Ergotherapie, Krankenpfleger, bei Bedarf auch Diätberatung)
erfolgt die differenzierte Gewichtung dieser Untersuchungsverfahren und die
Erstellung eines individuell abgestimmten Therapieplans.
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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