Aufgabengebiete der Neuropsychologen sind Diagnostik und
Therapie der durch Hirnschädigung erworbenen kognitiven Defizite, der emotionalen Veränderungen sowie der Veränderungen
des Verhaltens. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Unterstützung der
psychischen Verarbeitung der
Folgen nach einer Hirnschädigung bei Patient und Angehörigen.
Ohne die Grundlage einer qualifizierten Diagnostik und
Therapie von Störungen des peripheren und zentralen
Sehens kann kognitive
Therapie nicht durchgeführt werden. Im ophtalmologischen Labor erfassen wir die
Sehschärfe, Augenbewegungen, Gesichtsfeld, visuelle Exploration, visuell-räumliche
Wahrnehmung und Objektwahrnehmung sowie
Aufmerksamkeit im Raum.
Gesichtsfelddefekte, gestörtes Scanning und visueller
Neglect
werden trainiert, sobald der Patient zu ausreichender Aufmerksamkeitsleistung in
der Lage ist. Visuell-räumliche Wahrnehmung und räumlich-konstruktive
Leistungen werden in Einzelsitzungen am Computer oder in der Gruppe mit
systematischen Programmen eingeübt.
Es ist wichtig, die verschiedenen Aspekte der Aufmerksamkeit
(z. B. Alertness, Selektivität, Vigilanz) differenziert zu erfassen, um sie
spezifisch zu trainieren. Basales Training findet überwiegend am PC statt, in
Gruppensitzungen üben jedoch auch Patienten mit Papier/Bleistift-Aufgaben oder anhand von Gesellschaftsspielen, ihre
Aufmerksamkeit zu verbessern.
Gedächtnisstörungen werden von vielen Patienten, die der Frührehabilitation
bedürfen, beklagt. Therapeutisch werden Einspeicher-
oder Abrufstrategien im verbalen oder figuralen Bereich (teils am PC) eingeübt,
je nachdem in welchem Bereich des Gedächtnisprozesses die Störung besteht. Bei
einigen Amnesieformen hat sich jedoch gezeigt, dass ein Gedächtnistraining
nicht mehr sinnvoll ist. Solche Patienten werden im Gebrauch von Hilfsmitteln
(Terminkalender, Armbanduhr, u.s.w) unterwiesen.
Bei Schädigung des Frontalhirns kommt es zu Störungen des
Planens und Problemlösens sowie der intellektuellen Leistungsfähigkeit. Geübt
wird neben verschiedenen intellektuellen Funktionen das Entwerfen von
Handlungsalternativen, die Auswahl aus Alternativen, das Entwickeln von
Handlungsplänen sowie Kontrolle und Überprüfung von Teilergebnissen.
Frührehabilitative hirnschädigung
sbedingte emotionale Störungen
und Verhaltensstörungen, die die soziale Wiedereingliederung von Patienten
trotz guter kognitiver Wiederherstellung oft verhindern, rücken schon früh ins
Zentrum der therapeutischen Aufmerksamkeit. Hier stehen bei uns verschiedene, für
Patienten mit einer
Hirnschädigung
abgewandelte psychotherapeutische
Interventionsmethoden (tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie,
Familientherapie, Verhaltenstherapie) in Einzel- und Gruppensettings zur Verfügung.
Die Psychologen bieten unterstützende Gespräche zur Krankheitsverarbeitung an,
da reaktiv-depressive Verstimmungen den Verlauf der Rehabilitation beeinträchtigen
können.
Familien von Patienten mit Hirnschädigung haben einen
schweren Schicksalsschlag zu verkraften, der alle Ressourcen der Familie
fordert. Es werden Gespräche in
Krisensituationen, sowie beratende Gespräche bezüglich weiterführender
psychotherapeutischer Hilfsmöglichkeiten angeboten. Die Angehörigengruppe
schafft besondere Möglichkeiten der Verarbeitung der neuen Lebenssituation.
II.
Logopädie
bei frührehabilitativer Hirnschädigung
In der Logopädie werden Störungen der Sprache, des
Sprechens, des Schluckens und Stimmstörungen behandelt.
Schluckstörungen
sind in der Frührehabilitation nach schwerer Hirnschädigung sehr häufig.
Viele Patienten müssen wegen schwerster Schluckstörungen über längere Zeit
mit einer Magensonde (PEG) versorgt werden. Die Therapiemöglichkeiten liegen in
der Beeinflussung der gesamten Sensomotorik des Gesichts, Mund- und Rachenraums,
sowie im Halsbereich. Durch das Konzept der faziooralen (Behandlung im Gesichts-
und Mundhöhlenbereich)
Therapie (Kay Coombes) - das auf das Bobath-Konzept aufbaut - können gestörte
Sensibilität und Motorik im Sinne normaler Funktionsabläufe gebessert werden.
Störungen der Sprache bedeuten eine Beeinträchtigung, Gedanken, Gefühle und Wünsche
in Worte auszudrücken; oft ist auch das Verstehen der Sprache beeinträchtigt.
Nach umfassender Diagnostik lassen sich die Störungsebenen der Sprache genau
beschreiben und störungsspezifische Therapieansätze (z. B. Wortfindungsübungen
oder Gestentraining als Ersatzkommunikationsmittel) entwickeln.
Neben einer Störung der Sprechmotorik sind bei frührehabilitativen
Hirngeschädigten oft auch Stimme, Atmung und Sprachmelodie betroffen.
Therapiekonzepte in diesem Bereich sind die fazioorale Therapie (FOT) und
gezielte Artikulationsübungen, bei Stimmstörungen auch Stimmtherapie, Atemübungen
und z. B. Elektrisierungsbehandlungen.
Trotz intakter Mund- und Gesichtsmuskulatur kann eine Störung
des Bewegungsablaufes bestehen (buccofaciale Apraxie), z. B. öffnet der Patient
auf Aufforderung nicht seinen Mund willkürlich, sondern spitzt die Lippen. Der
Sprechvorgang kann durch eine Sprechapraxie beeinträchtigt sein. Hier werden sprechmotorische Übungen
durchgeführt.
Eine Lähmung der Gesichtsnerven führt zu Beeinträchtigungen
bei der Nahrungsaufnahme, auch die Artikulation kann gestört sein. Patienten fühlen
sich oft entstellt, und in ihren mimischen Ausdrucksmöglichkeiten beeinträchtigt.
Nach anfänglich überwiegend passiven Therapieverfahren werden die Patienten
zunehmend zum Selbsttraining angeregt.
III.
Physiotherapie
bei frührehabilitativer Hirnschädigung
Die Ausführung alltäglicher Aktivitäten im Sinne von frührehabilitativen
Bewegungen bedarf einer spezifischen physiotherapeutischen Behandlung, um den
Patienten die Basis für selektive Bewegung und Haltung wiederzugeben. Erst wenn
grundlegende Komponenten der normalen Bewegung wie normaler Muskeltonus,
reziproke Innervation, Koordination und Gleichgewicht in ihrer normalen Qualität
wiederhergestellt sind, können komplexe Bewegungsabläufe in den Alltag
integriert werden.
Die Abteilung Physiotherapie arbeitet auf
neurophysiologischer Grundlage nach dem Bobath-Konzept. Der interdisziplinäre
Charakter des Bobath-Konzeptes - "24-Stunden-Konzept" - eröffnet auf
der Basis normaler Bewegung die nahtlose Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen.
Weitere
Schwerpunkte der physiotherapeutischen Arbeit bei Hirnschädigung sind:
Ø
die
Facio-orale Therapie nach Kay Coombes,
Ø
Behandlungen
im Wasser nach der Halliwick Methode (MacMillan) und
Ø
die
Hippotherapie,
da diese Therapien auf den gleichen Prinzipien basieren.
Das Therapieangebot wird von der physiotherapeutischen
Abteilung durch die Behandlung mit re-dressierenden-,
temporären - und semistabilen Gipsen unterstützt und erweitert.
Neben diesen Therapieformen werden von der Physiotherapie
folgende Behandlungen angeboten.
Ø
Vojta
Ø
PNF
(proprioceptive neuromuskuläre Facilitationen)
Ø
FBL
(funktionelle Bewegungslehre)
Ø
Rückenschule
nach Brügger
Ø
manuelle
Therapie
Ø
Schlingentisch
Ø
Cyriax
Ø
Maitland
Die physiotherapeutische Abteilung ist für einen großen
Teil der Hilfsmittel zuständig, die hier erprobt und ausgesucht werden. Zur
Verbesserung der häuslichen Reintegration werden auch aus der Abteilung
Physiotherapie heraus Angehörige beraten und in die angemessene Unterstützung
des Patienten eingewiesen.
IV.
Ergotherapie bei frührehabilitativer Hirnschädigung
Die ergotherapeutische Behandlung hat das Ziel, die körperliche,
geistige, soziale und berufliche Selbständigkeit zu erreichen. Dazu dienen Übungen,
die sich auf die alltäglichen Bedürfnisse des Betroffenen konzentrieren. Fähigkeiten,
die nicht wieder erlangt werden können, müssen kompensiert werden. Diesbezüglich
werden Wege und Hilfsmittel aufgezeigt.
Die motorisch-funktionelle Behandlung zielt zunächst auf die
Anbahnung von Bewegungen und Bewegungsabläufen. Im weiteren Verlauf werden die
grob- und feinmotorischen Fähigkeiten, bis hin zum Schreiben geübt.
Schwerpunkte liegen im Bereich der Tonusregulierung, Gelenkmobilisation, Kontrakturprophylaxe und der Koordinationsschulung. Eingesetzt werden dazu
verschiedene funktionelle Spiele, handwerkliche Techniken und andere
therapeutische Mittel.
Störungen der Oberflächen- und Tiefensensibilität werden
durch gezielten Einsatz von taktilkinästhetischen
(den
Tastsinn betreffenden) Therapiemitteln gebessert, auch Bewegung der betroffenen
Extremität fordert die Sensibilität.
Das Haushalts- und Selbsthilfetraining umfasst alle Bereiche
der Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL). Ziel ist die möglichst umfassende
Selbständigkeit der Patienten. Dazu gehören das Haushalts-, Anzieh- und Frühstückstraining.
Hierbei wird auch der Einsatz von Hilfsmitteln erprobt und im Bedarfsfall eine
Hilfsmittelversorgung vorgenommen.
Handwerkliche Therapie und Belastungstraining wird zur
Fortsetzung der funktionellen Therapie und Wahrnehmungsschulung eingesetzt
bzw. zur Förderung der Ausdauer und Konzentration. Im Hinblick auf die
berufliche Rehabilitation kann die physische und psychische Belastbarkeit des
Patienten erprobt bzw. verbessert werden.